Einleitung
Über 500 Jahre sind vergangen, seit diese umweltfreundliche Energiequelle (Wasser) erstmals in diesem, unserem Gebiet zum Antrieb von Werkzeugen und Maschinen genutzt wurde.
Hier eine kurze Aufzählung der Solinger Kotten und Orte an der Wupper: (Reihenfolge in Fließrichtung der Wupper)
- Friedenstal
- Dritter Kotten - Spätestens mit dem Bau der L74 wurden die letzten Reste beseitigt.
- Lechmigskotten - stand auf der heutigen Wuppertaler Seite.
- Zweiter Kotten
- Auermühle (Erster Kotten) - Wohnhaus
- Kohlfurth
- Werther Kotten - stand auf Cronenberger Gebiet.
- Papiermühle - Schleifkotten, Mahl- und Papiermühle
- Königskotten - Grabenreste
- Kirschberger Kotten - Wehr- und Grabenreste des ehemaligen Bergischen Elektrizitätswerkes
- Grunenburg - gab es hier noch einen Kotten?
- Müngsten
- Schaltkotten - Werkstatt
- Anschlagkotten - Wüstung
- Arnsberger Kotten - gut erhaltene Reste vom Wehr und Graben sind noch zu sehen
- Wiesenkotten - Gäststätte
- unbekannter Kotten an der „Donau“ - Reste wurden im 19. Jahrhundert gefunden.
- Burg an der Wupper
- Walkmühle - unterhalb des Weißen Steins noch zu erkennen.
- Schwarzwaager Kotten - nur noch vereinzelt in der Literatur zu finden.
- Neuen Kotten - fiel dem Bau des Solinger Wasserwerkes in Glüder zum Opfer.
-
Glüder
- Balkhauser Kotten - Schleifer-Museum, der Obergraben und das Wasserrad wurden 2002 erneuert.
-
Balkhausen und
Hohenscheid
- Bielsteiner Kotten - Reste vom Wehr und dem befestigten Obergraben sind noch sehr gut zu erkennen. Da die Wüstung in einem Naturschutzgebiet liegt, ist von einer Besichtigung abzusehen.
- Auer Kotten - Von der ursprünglichen Anlage ist nur noch der Standort des Wehres vorhanden. Die historische Wassergerechtsame nutzt heute ein wupperabwärts liegender Neubau mit Hilfe einer Turbine.
- Wupperhof
- Heiler Kotten - Bootshaus
- Obenrüdener Kotten - Wohnhaus und Werkstatt.
- Untenrüdener Kotten - Abstellkammer, Reiderei
- Rüden
- Obenfriedrichstaler Kotten - Wohnhaus (Christo - like)
- Untenfriedrichstaler Kotten - Wohnhaus
- Friedrichstal
- Hohlenpuhler Kotten - Ruine, nur noch Reste vorhanden.
- Wipperkotten - Doppelkotten, Arbeitsdenkmal und Designerkotten. Zum Jahresende 2001 wurde das Gewaltschütz erneuert.
- Wippe - Wipperaue
- Horn
Soweit die mir bekannten Namen. Wenige Bauwerke sind heute noch vorhanden und in Betrieb, andere änderten in den letzten Jahrhunderten ihre Funktion (durch die Eigentümer selbstverständlich) und nur noch die Straßenschilder erinnern an die Ursprünge. Weitere Bauwerke traf die Geschichte härter und nur noch kaum erkennbare Reste erinnern an sie. Wen es ganz hart traf, der ist nur noch in (alten) Karten per Name auffindbar.
Die in Abb. 1 gezeigte Karte wird in der Solinger Literatur sehr häufig genannt, sie stimmt im Detail sicherlich nicht! Warum? Im Vergleich mit der Karte von Ploennies aus dem Jahre 1715 sind hier einige Kotten eingezeichnet, die in der Karte von Ploennies nicht wiederzufinden sind. Sind wir nicht kleinlich, die Karte von Rosenthal trägt den Titel "um 1700".
Wenn ich richtig zähle, so behinderten in Summe 23 Kotten auf Solinger Gebiet den freien Verlauf der Wupper. Franz Hendrichs kommt in seinem Schlusswort (Die Schleifkotten an der Wupper, 1922) auf 24 Kottenanlagen, die auf etwa 24 km Flußlauf, von Evertsaue bis Wipperaue, anzutreffen waren. Andere Quellen sprechen von ehemals 26 Kotten an der unteren Wupper. Fragen über Fragen.
Nachtrag zum Thema Anzahl der Schleifkotten an der Wupper; auf Seite 67 (Hendrichs) finden wir folgenden Absatz:
»Jetzt befinden sich beide Kottenanlagen [Walkmühle (Außenkotten) und Schleif- und Bohrkotten (Innenkotten)] im Eigentum der nahe gelegenen Feilenfabrik Georg Niebch & Söhne. Die Firma Forstmann legte dagegen 1852 an der Wupper oberhalb der Burg ihre Papierfabrik an. Beim Bau des Wehrs zu dieser Anlage, wie es im Volksmund dort heißt "an der Donau", stieß man auf dem Solinger Ufer auf Reste eines längst verschollenen Kottens, vor allem auf gut erhaltene Teile eines Wasserrades.«
Ein längst verschollener Kotten ... +1 = 24!
Die Papierfabrik in Burg ist auch schon tiefste Vergangenheit. Als das Stauwehr
im Zuge der Wupperregulierung bei der Papierfabrik oberhalb von Burg beseitigt wurde, tauchten wieder Reste des
verschollenen Kottens auf. Einen Bericht darüber fand ich in Die Heimat, 1960, Jg. 26, Nr. 6, S. 22.
Hans Brangs geht in diesem Beitrag auch auf die Forstmann’sche Papierfabrik ein. Er zitiert die
öffentliche Bekanntmachung zum Bauvorhaben vom 30. September 1854.
Wenn die Quellenangaben von Brangs stimmen, dann wurde die Papiermühle frühestens Ende 1854 erbaut.
Rechnet man die Walk- und die Bohrmühle noch hinzu, so haben wir in Summe 25 Standorte. Plus Papiermühle ..... never ending story!
Hinweis und Bitte
Alle Seiten, die sich mit dem Thema Kotten beschäftigen, sind derzeit als Puzzle-Stücke zu verstehen. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, fand ich im heimischen Bücherregal das leicht angestaubte Buch von Franz Hendrichs „Die Schleifkotten an der Wupper“ aus dem Jahre 1922. Es machte mich neugierig. Derzeit besuche ich von Zeit zu Zeit die beschriebenen Orte und schildere das Vorgefundene. Wenn ich in der Literatur zu diesem Thema etwas finde, so füge ich es hinzu. Es würde mich sehr freuen, wenn Leser, die zu diesem Thema etwas wissen, möglicherweise alte Fotos, Dokumente, Anekdoten oder sonstige Erkenntnisse haben, mich bei diesem Puzzle unterstützen könnten.
Wer Fragen zu den Wassertriebwerken an den Solinger Bächen hat, dem wird jeder Solinger Ureinwohner das gnädigerweise vergriffene Buch „Schleifkotten, Mühlen und Hämmer an den Solinger Bächen“ von Ludwig Lunkenheimer aus dem Jahre 1990 empfehlen.