Schleifkotten an der Wupper - Auer Mühle 1960

Wehrhafte Müller

soll es an der Auermühle gegeben haben; so Otto Bauermann in "Die Heimat", 1960

Aquarell aus dem Jahre 1842 von R. Fink - Auermühle

Bauermann leitet seinen Artikel ebenfalls mit einer Wanderung ein.

»Gehen wir von der Wupperbrücke zur Kohlfuhrt, entlang dem Auer Weg, so erreichen wir bald eine einstmals betriebsame Stätte, die Aue. Heute ist diese kleine Örtlichkeit unter dem Namen "Picards Aue" bekannter. Wie wir weiter unten sehen, sind die Picards nun schon über 150 Jahre hier ansässig. Um 1900 wurden hier noch eine Mahlmühle und zwei Schleifkotten betrieben, ein kleiner Innenkotten und ein großer Außenkotten. Heute finden wir an der Aue nur noch einen landwirtschaftlichen Betrieb und ein Ausflugslokal, das noch im Besitz der Familie Picard ist. Der in den 1930er Jahren wiederaufgebaute Kotten ist heute anderen Zwecken zugeführt.

Es läßt sich nicht genau nachweisen, wann die Auermühle errichtet und von welchem Müller sie zuerst betrieben wurde. Die Karte des Amtes Solingen von E. Ploennies aus dem Jahre 1715 verzeichnet an der Aue nur einen Schleifkotten, und eine Urkunde von 1750 erwähnt nur "Clemens Jüngels Schleifkotten". Wahrscheinlich wurde die Mühle an der Aue auch von Angehörigen der Familie Jüngel erbaut und zuerst betrieben. Ein Clemens Jüngel ist bereits im Hebbuch des Solinger Rentmeisters Wilhelm Waßmann 1683/84 genannt; er zahlte für seinen Kotten an der Wupper 1 Goldgulden Wassererkenntnis und Kottenpacht. 1750 finden wir an der Aue Peter und Wilhelm Jüngel, die von ihrem Kotten je 1 Taler 32 Albus entrichten mußten.

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Kartenausschnitt Ploennies Amt Solingen, 1715
 

Der erste Müller in der Auermühle wird wohl der Enkel von Clemens Jüngel und Sohn von Johann Wilhelm Jüngel, Johann Peter Jüngel, gewesen sein. Johann Peter Jüngel, am 30. Juni 1735 geboren und am 30. Januar 1784 gestorben, verehelichte sich am 20. Mai 1771 mit Maria Gertrud Friedrichs, geb. 12. August 1750, gest. 7. Juli 1814, einer Tochter der Eheleute Johann Friedrichs und Maria Catharina Jacobs. Maria Gertrud Friedrichs heiratete in zweiter Ehe den Müller Peter Markus, geb. um 1743, gest. Auermühle 6. Oktober 1815, wodurch die Mühle in dessen Besitz kam.

Die Tochter Hanna (Johanna) Maria der Eheleute Jüngel/Friedrichs, geb. Auermühle 27. Januar 1782, gest. Auermühle 1. April 1840 verehelichte sich am 24. Juli 1808 mit David Picard, geb. 20. März 1779, gest. Auermühle 7. August 1835, Sohn der Eheleute Johann Peter und Margarethe Picard.

Wie fast zu allen Mahlmühlen in und um Solingen, so gehörte auch zur Auermühle eine Ackerwirtschaft, denn die Landwirtschaft bot in Krisenzeiten immer einen wertvollen Ausgleich. Wahrscheinlich ist die Ackerwirtschaft der Auermühle aber erst David Picard zuzuschreiben, denn aus einem Teilungsvertrag Plücker/Steineshoff, der am 8. Juni 1842 von dem Notar Heinrich Wilhelm Clairen in Mettmann ausgestellt wurde, geht hervor, daß der Müller und Bäcker David Picard zu Gräfrath am 1. August 1827 von Johann Peter Steineshoff zum Scheid das Auer Gut zum Preise von 1538 Taler, 13 Groschen, 10 Pf. kaufte. Bis dahin gehörte das Auer Gut also zum Scheiderhof zu Obenscheid, zu dem umfangreicher Besitz auf Gräfrather Gebiet gehörte. (Siehe Obenscheid in H.Rosenthal, Bd.I, S.57)«

Der Beitrag geht noch weiter, aber zuvor ein paar Anmerkungen. In dem Hebebuch von 1683/84 wird auch noch ein anderer Jüngel erwähnt: Caspar Jüngel; 1 1/2 Goldgulden durfte er dem Steuersäckel von Herrn Vaßmann hinzufügen. Wurde er von Bauermann übersehen oder schaffte er in einem anderen Kotten?

CIG:CIG, Messerzeichen 2.1.1773 2.1.1773: Joh. Clemens Jüngel am Stockdum läßt ein neu ersonnenes Messerzeichen, gemäß der Zeichenverordnung vom 29.08.1772 behörend publiciert und niemand zu nahe oder ähnlich befunden, heute einschreiben, schwarz und weiß zu schlagen. [Rolle der Härter und Schleifer, 1771-1806, S1 50, Stadtarchiv Solingen, H 24]

Bei Rosenthal steht:
"Zu dem freien Hof zu Obenscheid ... gehörte das Gut in der Aue nördlich von Kohlfurth. ... Obenscheid ging am 20. Februar 1763 durch Kauf an die Eheleute Peter Steineshoff über und 1832 als reichlich verschuldeter Besitz an den Handelsmann Wilhelm Plücker."
1832 und/oder 8.6.1842, Fragen bleiben offen. Scheider Mühle wäre in diesem Zuammenhang ein ergiebiges Thema.

 

©2002-2003 Michael Tettinger, Fr. 05.07.2002, letzte Änderung: Sa. 05.07.2003
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