Schleifkotten an der Wupper - Anschlag Kotten

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Einblick

Folgenden Aufsatz von Heinz Rosenthal fand ich in: Die Heimat, August 1964, Jahrgang 30, Nr.8, Seite 31 ::

Einblick in die Finanzierung einer Kottenanlage

Aus der Geschichte des Anschlagkottens nach Papieren Joh. Knechts jr.

Foto: Heinz Rosenthal »Wenn man in Solingen über Schleifkotten schreibt, kann man immer mit einem Leserkreis rechnen. Darauf spekulieren manche Heimatfreunde und schlachten weidlich Franz Hendrichs aus, sogar ohne ihn als Quelle zu benennen. Ja, selbst die schönen Handzeichnungen Arthur Uellendahls werden umgezeichnet und mit dem Signum des Umzeichners versehen, ohne auch nur den Namen des Künstlers zu nennen, der das Original schuf. So geht es nicht; die Heimatgeschichte muß mit redlichen Mitteln arbeiten.«

Lieber Heinz Rosenthal, vielen Dank für dieses bemerkenswerte Vorwort. Seit Jahren denken die Solinger Heimatforscher häufig über folgende Frage nach: Woher stammen Ihre Erkenntnisse? Der Solinger Grafiker, der nicht nur die Zeichnungen in Franz Hendrichs industriehistorischem Wanderführer anfertigte, schreibt sich Artur Uellendall.

»Der bessere Weg ist, Neues mitzuteilen, was über Hendrichs grundlegende Abhandlung über "Die Schleifkotten an der Wupper" (1922) hinausführt. Das kann für den Anschlagkotten geschehen. Der Doppelkotten lag dicht unterhalb der Müngstener Brücke. Zur Datierung finden sich bei Hendrichs nur folgende Angaben: 1715 bestand der Kotten noch nicht, 1880 brannte der Innenkotten zum Teil ab, dessen Rest 1890 durch Hochwasser zerstört wurde, der Vorderkotten wurde 1895 durch Brand vernichtet. Trotz dieser damals nur greifbaren Enddaten sagt Hendrichs, der Kotten habe als "Altertümchen" gegolten, "wohl weil er in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten geblieben war" 1). Daß es sich um einen Doppelkotten handelte, wird schon um 1830 mitgeteilt 2). Die Forschungsfrage lautet also: Bestand der Anschlagkotten schon im 18. Jahrhundert?«

Wie wäre es mit der Frage: Wann wurde der Anschlagkotten gebaut? Warum akzeptiert hier Rosenthal die Ausage von Hendrichs, dass der Kotten 1715 nicht in der Karte von Ploennies verzeichnet ist?

Die erste Quelle

»Da findet sich als erste Quelle eine Hypothekeneintragung in dem "Buch der Schollarchen" der reformierten Gemeinde Solingen: Am 13. April 1737 nahmen die Eheleute Peter Moll und Anna Margaretha Ohlig zur Eick bei den Schollarchen ein Kapital von 100 Talern kourant zu 52 Albus kölnisch auf, die mit 3½ Prozent verzinst werden sollten 3). In den Solinger Gerichtsprotokollen steht .. unter dem gleichen Datum eine Eintragung über einen halben Schleifkotten "in der untern Schalt", lautend auf Peter Moll zur Eick 4). Hierbei handelte es sich aber nicht um den Schaltkotten, wie sich bald zeigen wird.«

Schollarchen oder Scholarchen? Was mag Rosenthal damit meinen? Kann ein Leser helfen? (Scholarch :: Verwalter der Schulkapitalien, [Ro.,BdII,S.428])

»Die Zinsen wurden nur einmal bezahlt, am 25. Mai 1738, und dann folgte eine vierjährige Pause. Als die Zinsleistungen wieder aufgenommen wurden, zahlte der Bürgermeister Johann Knechtgen - so nennt ihn das Scholarchenbuch - den Rückstand für Peter Moll. Der Übergang der Zahlungspflicht beruhte auf einem Vertrage, den die Eheleute Peter Moll am 16. Juni 1742 mit Bürgermeister Johann Knecht junior abschlossen 5). Sie übergaben Joh. Knecht eine gerichtliche Obligation "sprechent auf meinen halben schleifkotten am anschlag" und empfingen dafür die Summe von 100 Talern cr. zu je 52 Alb. köln. Außerdem erhielten sie von Knecht noch das Geld zum Wiederaufbau des "Vor etwa paar Jahren durch feuer Volichs in die Asche" gelegten Kottens. Alles in allem nahmen sie bei Knecht ein Darlehen auf von 203 Reichsthalern 8 Albus zu 3½ Prozent. Knecht übernahm die Zinszahlungen an die reformierte Gemeinde, die Eheleute Moll verpflichteten sich dagegen, das Leihkapital und die Zinsen dadurch abzuverdienen, daß sie Knecht für den halben Lohn schleifen wollten. Außerdem traten die Molls noch die Pacht ab, die sie von Albertus Clauberg für den vierten Teil des Kottens empfingen. Hiernach hat Moll in seinem halben Kotten nicht allein gearbeitet, sondern die Hälfte seines Anteils an A. Clauberg vermietet. Solche Pachtverträge, die auf vier Jahre abgeschlossen wurden, liegen aus den Jahren 1746 und 1749 noch vor 6)

Wem gehörte der Hinterkotten?

Die letzten Besitzer waren nach Hendrichs die Familien Meis und Abraham Picard. Diese Namen kommen dort im 18. Jahrhundert nicht vor. Beim Konsistorium der ref. Gemeinde suchten am 5. März 1750 die Erben Joh. Ascheuer um ein Darlehen nach. Sie boten als Sicherheit ein Gut, das unter die Kinder aufgeteilt war und dessen dritter Teil 675 Taler wert war. Dazu heißt es, das Erbgut komme mütterlicherseits von Hermann Moll sel. "nebst dem halben Kotten am Anschlag" 7). Im Gerichtsprotokoll steht "am dollen Anschlag". Diese Notiz besagt: Die andere Hälfte des Anschlagkottens hatte der Frau Ascheuer geb. Moll gehört und ging auf deren Vater Hermann Moll zurück.

Ob Hermann Moll und Peter Moll Vater und Sohn gewesen sind, mögen die Familienforscher beantworten. Wichtig ist, daß mit diesem halben Kotten der Hinterkotten gemeint ist.

Nach dem Vorstehenden kann man sagen, der Anschlagkotten ist zwischen 1715 und 1737 angelegt worden. Der Hinterkotten ist von dem Brand des Vorderkottens verschont geblieben.

Muss ich diese Schlussfolgerung verstehen? Leider kann ich dem Oberstudienrat nicht folgen. An anderer Stelle fand ich folgenden Baustein:
Am 7.3.1744 heiratete Anna Margareta Moll, die Witwe des Johannes Ascheuer zum Dorff, mit Johann Abraham Weyersberg, dem Sohn des verstorbenen Wilhelm Weyersberg zu Wieden, einen Angehörigen der vielen Seitenlinien des Geschlechts Weyersberg. [Weyersberg, Albert: Die Moll-Sippen des Bergischen Landes. In: Die Heimat, Beilage zum Solinger Tageblatt, Solingen, 7.März 1936, S.11]

Zwischen 1738 und 1741

»Bürgermeister Johann Knecht war der Neffe des Schleifers Peter Moll. Nach einer Notiz, die in die Jahre 1740/41 gehört, schwebten schon damals zwischen beiden Darlehensverhandlungen 8). Demnach ist der Vorderkotten zwischen 1738 und 1741 abgebrannt.«

Nach dem Ableben Joh. Knechts jr.

Bis zum Ableben von Joh. Knecht jr. (1762) sind die Zinsen bezahlt worden. Peter Moll war schon nicht mehr am Leben. Die Witwe Peter Moll lebte 1767 noch; ihre Erben waren Johann Peter Moll auf der Höhe (Krahenhöhe) und der Schwertschmied Johann Wilhelm Ohliger zu Feld. Beide hatten je ein Viertel Anteil am Anschlagkotten. Ohliger, der für die Firma Joh. Knecht Wittib und Söhne arbeitete - er schmiedete Hauer und Schwerter -, verkaufte 1775 seinen Anteil am Anschlagkotten an Peter Krahe zu Schaberg. Für Krahe verhandelte sein offenbar schriftgewandterer Schwager Wilhelm Rüttger zu Feld mit dem Kaufmann Johann Abraham Knecht über die Ablösung des Kapitalanteils und die ausstehenden Zinsen. Rüttger sprach in seiner ersten Mitteilung an Knecht von einer "Schleifmühlen gelegen am Anschlag" (20. Februar 1775). Das ist zu beachten im Hinblick auf andere ehemalige Schleifkotten, die auch als "Mühlen" bezeichnet wurden, zum Beispiel die Petersmühle, deren Namensgeber man nicht kennt. Um 1775 schwankt also der Sprachgebrauch. In der Quittung, die J. A. Knecht für Peter Krahe ausstellte, heißt es aber ortsüblich "¼ Schleifkotten" 9).

Was Rosenthal uns mit der Petersmühle mitteilen will, bleibt sein Geheimnis. Er war immerhin Insider, wohnte zeitweilig in den Gebäuden zur Petersmühle. Er hat Recht mit der Feststellung, dass Schleifkotten auch früher als Schleifmühlen bezeichnet wurden, aber im Gegensatz zu den Kotten an den Solinger Bächen, die ihren Namen nach den jeweiligen Besitzern erhielten, sind die Namen der Kotten an der Wupper hauptsächlich von den umliegenden Örtlichkeiten abgeleitet. Schalt und Anschlag sind Namen der Berge in dieser Gegend.

»Um 1775 sind also Eigentümer des Vorderkottens Joh. Peter Moll und Peter Krahe. Von einem Claubergischen Pachtanteil ist keine Rede mehr. Wenn bei Hendrichs zu lesen steht, die letzten Eigentümer des Vorderkottens seien die Schleifermeister Clauberg und Moll gewesen, so darf man nicht schließen, daß der 1895 genannte Clauberg auf den 1742 bis 1749 genannten Pächter Andreas Clauberg zurückgehe. Das kann sein, braucht es aber nicht. Dagegen ist anzunehmen, daß Moll zu der Gründerfamilie des Anschlagkottens gehörte.«

Kann so sein, muss aber nicht.

Allgemeines aus der Kottengeschichte

»Zum Schluß sei noch eine allgemeingeschichtliche Frage angeschnitten, die eigentlich bei jedem Kotten gestellt werden sollte. Es ist ja so, der einzelne Kotten macht als Arbeitsstätte nicht Geschichte, alle Kotten zusammengenommen dagegen, tragen in eigentümlicher Weise die Solinger Geschichte mit. Durch die erhaltenen Geschäftspapiere des Bürgermeisters Joh. Knecht jr. sind wir aber in der Lage, etwas Allgemeineres aus der Geschichte des Anschlagkottens abzuleiten. Knecht sicherte sich durch das Darlehen an Peter Moll einen Heimarbeiter, bei dem er vor überraschenden Lohnforderungen sicher war. Der Darlehnsvertrag enthielt eine halbjährige Kündigungsklausel, und dadurch hatte der Kaufmann Knecht den Schleifer Moll in der Hand. Andererseits gewähren uns die Unterlagen für den Anschlagkotten einen Einblick in die Finanzierung einer Kottenanlage. Die Kotten wurden aus Eigenmitteln unter Zuhilfenahme von einer Hypothek errichtet. Man konnte gegen die Sicherheit eines halben Schleifkottens 100 Rtlr. aufnehmen. Da Peter Moll durch die Vernichtung des Vorderkottens den Oberbau und die Einrichtung verloren hatte, mußte er sich die gleiche Summe noch einmal beschaffen und so eine doppelte Schuldenlast auf sich nehmen, die nur schwer abzutragen war.«

Hauptwert: die Anlage

Der Hauptwert eines Kottens steckte nicht in dem Kottengebäude selbst, sondern in den dazugehörenden Anlagen. Vom Balkhauser Kotten wissen wir, daß der halbe Kotten (Vorderkotten) 600 Taler wert war 10). Dagegen wurde der halbe Untenfriedrichstaler Kotten 11), der erst 1747 erbaut worden war, 1756 für 336 Reichsthaler verkauft. Aus diesen Bewertungen erhellt, daß der Balkhauser Kotten damals schon doppelt so groß war wie die normalen kleinen, einstöckigen Kotten, zu denen auch der Anschlagkotten mit seinen zwei Arbeitsstellen gerechnet werden muß. Das Anlagekapital betrug das 3- bis 4fache der hypothekarischen Belastung.

  1. Hendrichs F., Die Schleifkotten an der Wupper, Köln 1922, S. 72/73.
  2. Restorff, F. v., Topogr.-stat. Beschreibung d. Kgl. Rheinprovinzen 1830, S. 408.
  3. Arch. d. ev. Kirchengem. Solingen: Nr. 646, Buch d. Scholarchen 1717-1797, Blatt 10.
  4. Staatsarch. Düsseldorf, Berg. Gerichte, XVI. 6, Bd I (1720-1738), S. 680: Oligations- Protokolle für das ganze Amt Solingen, zitiert nach Mitt. v. Herrn R.-A. K. Kriegbaum, Solingen.
  5. Stadtarchiv Solingen: Pr. - 5c - Bl. 83/84,
  6. ebda. Bl. 62 u. 64, die Pachtverträge v. 1746 und 1749.
  7. Arch. d. ev. Kirchengem. Solingen, Nr. 506 (Konsist.-Protok.) S. 103 - 5.3.1750. - Hierzu Oblig. Prot. Bd. II (1738 bis 1754) S.540 v. 9.5.1750 (lt. K. Kriegbaum).
  8. Stadtarchiv Solingen: Pr - 5b - Bl. 58.
  9. Stadtarchiv Solingen: Pr - 5c - Bl. 85/86 und 90-95.
  10. Testament Peter Meis, Balkhausen, vom 19.10.1758 (Fotokopie).
  11. Hendrichs, F., a. a. 0., S. 33.

Soweit der Beitrag von Heinz Rosenthal .. An einigen Stellen habe ich gewaltige Verständnisprobleme .. Beispiel:
Kotten ist für 100 Thaler gut.
100 Thaler + Eigenmittel = Anschlagkotten (Grund + Boden, Gebäude)
Brand vernichtet das Gebäude, daraufhin werden die Zinszahlungen eingestellt, d.h. Eigenmittel sind zu diesem Zeitpunkt gleich 0.
Moll leiht sich nochmals 100 Thaler, demnach wäre ein Kotten jetzt für 200 Thaler gut. Es sei denn, er löste mit diesem Geld die Schuld bei den Scholarchen ab. Wenn dem so wäre, warum übernimmt dann Knecht die Zinszahlungen?
Außerdem erscheint es mir fraglich, ob man diesen Einzelfall verallgemeinern kann.


1683

Aus dem Hebbuch des Solinger Rentmeisters Wilhelm Waßmann 1683/84

Etwas Neues im Sinne von Rosenthal kann auch ich beisteuern ..

1769

1769, Obligations Protokoll No. 683
Johann Wilhelm Ohliger zu Feld
  deb. Kaufhändler Wilhelm Tesche, Peters Sohn
  lt. Hyp. Schein
53 Rthlr. 37¼ Stüber v. 1.5.1769
Unterpfand: Wittiben Bürgermeister Johann Knecht wegen Capital von 101 Rthlr. verhypothekten am Anschlag gelegenen ¼ Schleifkotten von Eltern Johann Peter Moll ererbt.

Wie passt dieser Puzzle-Stein in obiges Szenario?


1830

Urkataster 1830:: Hochachtung vor dem, der diese wunderbaren Zeichen lesen kann.

  • Außenkotten ::
    • Moll Elias & Konsorten zu Dorp
  • Innenkotten ::
    • Kirschbaum d. jun. & Gebrüder Lauterjung

1839

22.06.1939:: Brandschadenverhandlungen.

Am 22. Juni 1839 verkündet der Bürgermeister von Solingen, Müller, in der Zeitung "Solinger Kreis-Intelligenzblatt", dass die Verhandlungen über den an dem mit Nr. 171 bezeichneten Schleif-Kotten, am Anschlag genannt, statt gehabten Brandschaden, während der nächsten 8 Tage zur Einsicht offen liegen.


1843

14.08.1843:: Brandschaden.

Foto: Anzeige im Solinger Kreis-Intelligenzblatt

Am 23. August 1843 verkündet der interims Bürgermeister von Solingen, von Keller, in der Zeitung "Solinger Kreis-Intelligenzblatt", dass die Verhandlungen über den am 14. des Monats in dem, dem Carl Clauberg zu Dorp, und Consorten zugehörigen sogenannten Anschlagkotten, statt gehabten Brandschaden, zur Einsicht offen liegen.


1853

1853 werden im Stosberger Verzeichnis der Wassertriebwerke in der Bürgermeisterei Dorp folgende Besitzer genannt:

  • Vorderer Anschlagskotten ::
    • Witwe Elias Moll,
    • Nath. Meis,
    • Dl. Clauberg,
    • Gebr. Schaaf,
    • Witwe Dl. Clauberg
  • Hinterer Anschlagskotten ::
    • Gust. Lauterjung,
    • Carl Lauterjung,
    • Carl Clauberg,
    • Carl Meis,
    • Witwe Abr. Spitzer

1855

Solinger Kreis-Intelligenzblatt, 14.4.1855:
Die Besitzer des Anschlagkottens in der hiesigen Gemeinde beabsichtigen die Wasserräder am demselben zu erneuern und auf 5,04 Fuß zu erbreitern; ferner haben dieselben den Antrag auf Conzessionierung der Regulierung ihrer Schlagt gestellt und ist der letzte Antrag von Königlicher Regierung in sofern zur Publikation genehmigt worden, als die Kronenhöhe der Schlagt auf 316,07 des Amsterdamer Pegels angelegt und das als Fortsetzung der Schlagt wirkende sogenannte Fischerwehr zwischen der Insel und dem linken Wupperufer auf 316,20 des Amsterdamer Pegels erniedrigt werden soll.

Indem ich dieses Unternehmen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß bringe, fordere ich Diejenigen, welche dagegen Einwendungen machen wollen, auf, solche innerhalb der Präclusivfrist von 4 Wochen, bei hiesiger Stelle vorzubringen, bis wohin die Pläne und Beschreibungen über die Anlage auf dem hiesiegen Verwaltungsbüreau zur Einsicht offen liegen.

Dorp, den 10. April 1855.
Der Bürgermeister: R. Stosberg.

1856

Bergisches Volksblatt, Nr. 16. 8. Jahrgang, vom 22. Februar 1856:
Unterzeichneten warnen hierdurch Jeden, sich fernerhin an unserm Kotten, am Anschlag genannt, jeder muthwilligen Beschädigung, sei es an Fenstern, Steinen oder sonst irgendwo zu enthalten, widrigenfalls wir Jeden, so wie auch Eltern (da wahrscheinlich solche Frevel von böswilligen Knaben verübt worden) zur unnachsichtlichen Bestrafung ziehen werden.

Dorp, den 10. Februar 1856.
Carl Clauberg.
August Moll.

1876

In dem Verzeichnis der in der Bürgermeisterei Solingen vorhandenen gewerblichen Anlagen aus dem Jahre 1876 (StA Solingen, S3316) ist die mit Wasserkraft angetriebene Schleiferei Anschlags Kotten unter lfd.No.84 gelistet. Beschäftigt waren dort 13 Personen über 16 Jahre, die Besitzer-Anteile waren wie folgt verteilt:

  • Clauberg Nath. u. ??? 1/4
  • Schaaf Friedr. Witwe 1/8
  • Schaaf Karl Jul. 1/8
  • Moll Herm. Witwe 1/4
  • Picard Joh. Peter 1/8
  • Görres Friedr. 1/8
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1889

Im Sommer 1889 vermerkt Steuer-Inspektor Stahlschmidt in seiner Liste unter Position 61 - Anschlags Kotten - noch 2 unterschlägige Wasserräder mit einem Durchmesser von jeweils 3,45 m, 1,40 m langen und 0,49 m hohen Schaufeln. Diese Wasserräder drehten sich 12 Stunden pro Tag und jeweils 18 mal in der Minute. Als Besitzer sind die Schleifereien von Alb. Pickhardt und David Clauberg eingetragen. Stahlschmidts Namenskreativität ist unschlagbar, hoffentlich waren seine Vermessungskünste von anderer Natur.


Im Gegensatz zu vielen anderen Schleifkotten in Solingen existieren vom Anschlagkotten einige Aufnahmen. Die Müngstener Brücke wurde häufig abgelichtet und so kam der Fachwerkbau am Ufer der Wupper eher zufällig mit auf die Platte.

Folgende Karte ist ein Beispiel: Abgestempelt am 20.6.1902 zwischen 11 und 12 Uhr in Reinshagen (Ortsteil von Remscheid). Die Aufnahme für die Karte muss nach Mitte 1897 angefertigt worden sein. (Vorher gab es das Schild aus Kupfer im Brückenbogen noch nicht.) Sichtbar ist der Außenkotten (nach den bisherigen Veröffentlichungen müsste es eine Brandruine aus dem Jahre 1895 sein) mit seinem Untergraben. Der mächtig qualmende Eisenbahnzug (ist er echt oder nur eingezeichnet?) überfährt die Brücke von der Solinger Seite in Richtung Remscheid.

Ansichtskarte:
Ansichtskarte · Kaiser Wilhelm - Brücke in Müngsten
Verlag W. Fülle, Barmen - Nr.50895

Ansichtskarte: Ausschnitt
Ausschnitt aus obiger Karte - Der Anschlag Kotten

Mehr Details aus der Karte auf folgender Seite.


©2003-2007 Michael Tettinger, Sa. 08.02.2003, letzte Änderung: Fr. 06.07.2007 Tettis Homepage Seitenanfang nächste Seite