Anfang 1970 berichtete Herbert Weber in der Beilage „Die Heimat“ zum Solinger Tageblatt über die schwierigen Verkehrsverhältnisse in der abgeschiedenen Hofschaft Papiermühle:

Der Bau der Wupperbrücke an der Papiermühle

Schlechte Verkehrsverbindungen in die Stadt | Langwierige Verhandlungen

Ew. Hochwohlgeboren erwiedern wir auf den Bericht vom 9ten d.M., daß nach dem vorgelegten Gutachten des Kreisbaumeisters Muhs die an der Papiermühle zu Clauberg von dem Kaufmanne Jagenberg erbaute Brücke über die Wupper unbedenklich in Gebrauch genommen werden kann ...

Diese Mitteilung sandte die Regierung in Düsseldorf am 25. Juni 1838 an den Landrat von dem Bussche-Kesel.

Damit war aber vorläufig noch keine Verbesserung der Verbindung zwischen beiden Wupperufern gewährleistet. Jagenberg hielt die Brücke geschlossen, da es zu Meinungsverschiedenheiten mit den Behörden wegen der Höhe des von den Benutzern zu zahlenden Brückengeldes. Doch davon später.

Jagenberg und die anderen Bewohner des Papiermühler Bachtales bemühten sich auch schon seit längerer Zeit um eine bessere Verbindung zur Stadt Solingen. Der Zustand des vorhandenen Weges war katastrophal.

Bereits 1825 beschwerten sich beim Landrat von Hauer die Bewohner von Papiermühle Heinrich Laufenburg und Friedrich Grah über den Zustand des Weges von Solingen zur Papiermühle, der keinerlei Verkehr mehr ermögliche, weder Leichenbegängnisse noch den Transport von Schleifsteinen, die von den neun Schleifmühlen gebraucht würden.

Der Besitzer der Papiermühle, Johann Ferdinand Wilhelm Jagenberg, übermittelte am 17. Juni 1826 dem Landrat von Hauer eine Bittschrift der Anwohner wegen der Anlegung eines Fahrweges. In dem Anschreiben dazu berichtet er, das 12 Waßerwerkstätten vorhanden seien, nämlich 9 Schleifkotten, 2 Papiermühlen und eine Fruchtmühle. Auch seien die Bewohner des in der Bittschrift erwähnten Teils von Cronenberg bereit, einen Fahrweg jenseits der Wupper zu bauen, der mit demjenigen von Solingen bis Papiermühle kommunizieren solle. Ehe die Wege über Kohlfurth und Müngsten angelegt worden seien, sei der Verkehr über die Papiermühle gegangen, aber wegen der schlechten Lage würden jetzt die Cronenberger lieber einen Umweg machen.

In der Bittschrift selbst, die die Unterschriften von Jagenberg, J.H. Laubenberg, Gottfried Grah, Abraham Bruchhaus, Abraham Kirschbaum, Abraham Melcher und Abraham Engels trug, hieß es, der Weg nach Solingen sei nur für Fußgänger passierbar. Wie nützlich für Industrie und Gewerbe die Anlage eines Fahrweges sei, erhelle daraus, daß auf der kurzen Strecke des Weges (am Papiermühler Bach) von kaum 15 Minuten Länge elf durch Wasser betriebene Werkstätten lägen. (Jagenberg berichtigte die Zahl, wie oben erwähnt.) In diesen Werkstätten würden allein 22 Meister arbeiten ohne die Gesellen und Lehrlinge. Auch werde der Weg die Verbindung zu einem sehr bevölkerten Teil der Gemeinde Cronenberg nach Solingen und Dorp erleichtern.

Ein Haupthindernis des Ausbaues habe wohl bisher in der Frage der Grundentschädigung gelegen. Aber diese Frage bestünde nicht mehr, denn der mitunterzeichnende Ferdinand Jagenberg zu Klauberg habe sich erboten, keine Entschädigung zu verlangen, sofern der Weg seine Wiesen nicht beschädige und damit seine obgleich mit schönem, jungem Holze besetzte Waldung benutzt werde.

Außerdem habe die Gemeinde Dorp die Planierung des Weges nicht allein zu übernehmen, da ein Teil auch über Boden führe, der zur Stadt Solingen gehöre.

Bürgermeister Klönne, der die Verwaltungsgeschäfte von Solingen und Dorp von 1817 bis 1835 in Personalunion führte, berichtete dem Landrat am 24. Juli 1826 nach einer Besichtigung des Weges, die Strecke bis Altenbau sei noch in befahrbarem Zustande und ohne viel Mühe wieder auszubessern. Dagegen sei die Anlage eines neuen Weges vom Altenbau zur Papiermühle mit vielen Schwierigkeiten und großen Kosten verbunden, so daß die Stadt Solingen, in deren Bereich diese Strecke liege, wohl keine Verpflichtung habe, sondern solche als eine Privatsache den Grundeigentümer überlassen müsse.

Von der Papiermühle führe ein Weg nach Solingen, der zwar steil, aber gut befahrbar sei. Auch hätten sämtliche Schleifkotten ihre eigenen Wege zum Transport der Schleifsteine. Sie seien zwar schlecht, würden aber auch selten gebraucht und vor einem Gebrauch von den Schleifern selbst ausgebessert.

Es ist daher die kostspielige Wege-Anlage kein wirkliches Bedürfniß und kann als ein wirklicher Gemeinde-Weg auf keinen Fall betrachtet werden, so schloß Klönne seinen Bericht.

Von Hauer wirkte aber zugunsten der Interessenten auf eine Einigung über den Wegebau hin und teilte der Stadt mit, ihm gegenüber habe sich Jagenberg auch bereit erklärt, einen sogenannten Reitsteg über die Wupper bei Papiermühle zu bauen.

Am 25. September 1827 beschied der Solinger Stadtrat den Antrag von Jagenberg auf Ausbau des Weges abschlägig, da die Stadt wegen ihrer Verhältnisse nicht einmal für die Herstellung ihrer inneren Straßen sorgen könne.

Dagegen sei es löblich, eine hölzerne Brücke anstatt des bisher bestehenden Fähres über die Wupper zu bauen, und man fand auch ein geplantes Brückengeld von 2 Pfennig für Fußgänger und 8 Pfennig für Pferde nicht zu hoch.

Nachdem Jagenberg im Februar 1828 nochmals an den Landrat von Hauer schrieb und sich erneut bereit erklärte, das Land zum Wegebau unentgeltlich zur Verfügung zu stellen und darüber hinaus 80 Tage lang einen Mann kostenlos planieren zu lassen, antwortete von Hauer, Jagenberg möge doch einmal feststellen, ob es nicht möglich sei, eine Subskription bei denjenigen Anwohnern zu erreichen, die sich für die Wegeanlage interessierten.

Jagenberg erwiderte, er habe vorher schon einmal eine Subscription eröffnet, aber nichts erreicht, da die Interessenten wenn nicht gerade arm, aber doch unbemittelt seien. Es seien nur die 80 Arbeitstage, wovon er die Halbscheid trage, herausgekommen, aber kein Geld.

Der Wegebau ruhte nun weiter, bis Jagenberg den Weg von der Papiermühle zum Altenbau auf eigene Kosten ausbauen ließ. Der Weg von Altenbau bis in die Stadt wurde 1838 zum Kommunalweg erklärt. Aber obwohl die Stadt Solingen sich verpflichtete, den Weg auszubauen, geschah nichts, was zu weiteren Streitigkeiten mit den Interessenten führte.

Eine Brücke über die Wupper

Jagenberg war schon am 11. Oktober 1828 der Bau eines Reitsteges über die Wupper von der Regierung in Düsseldorf gestattet worden. Sie machte dabei zur Bedingung, für den Gebrauch des Steges dürfe nicht mehr als das tarifmäßige bisherige Fährgeld genommen werde.

Die Brücke wurde zehn Jahre später vollendet. Jagenberg durfte sie zunächst jedoch noch nicht benutzen lassen, da er entgegen der Auflage der Regierung die Baupläne nicht vor, sondern erst nach dem Bau vorgelegt hatte.

Am 7. Juni 1838 sandte Jagenberg an den Landrat Freiherrn von dem Bussche-Kessel das Gutachten des Kreisbaumeisters Muhs sowie den Plan von der Brücke. Der Landrat berichtete an die Regierung, und die Düsseldorfer Regierung genehmigte es, wie eingangs zitiert, die Brücke in Gebrauch zu nehmen. Einschränkend hieß es aber, die Erhebung des Brückengeldes müsse vorerst ausgesetzt bleiben, bis der Tarif Allerhöchsten Orts genehmigt werde.

Bei der Erörterung der Tariffrage äußerte sich Bürgermeister Peter Müller der ganzen Sache gegenüber ablehnend und erklärte, schon bei dem Straßenbau sei Jagenberg der eigentliche Interessent gewesen, so daß der Rat der Stadt den Ausbau entschieden abgelehnt habe. Auch diese Verbindung sei im eigenen Interesse des Erbauers. Diese Verbindung sei zwecklos, da der Weg nicht weiter benutzt werden könne, weil jenseits der Wupper steile Berge angrenzen würden, die die Durchführung eines Weges völlig unmöglich machten. Die Brücke werde daher auch nur von einzelnen als bequeme Verbindung gebraucht.

Der Bürgermeister ließ sich auch über die Unterhaltungskosten der Brücke aus und meinte, diese Kosten könnten durch das Brückengeld nicht aufgebracht werden, und es sei der Zeitpunkt abzusehen, wo die Holzbrücke verrotten und dann zu einer Gefahr werde,

Am 26. März 1839 endlich gab die Regierung die Genehmigung zum Einziehen des Brückengeldes in Höhe von 2 Pfennig für Fußgänger und 6 Pfennig für Pferd mit Reiter.

Mit diesen Tarif war aber nun Jagenberg nicht einverstanden, und er gab bekannt, er werde die Brücke wieder schließen und die Fähre wiederherstellen, wenn ihm nicht die Sätze in der Höhe des bisherigen Fährgeldes (4 bzw. 8 Pfennig) zugestanden würden.

Die Regierung erwiderte, sie sehe keinen Anlaß, von ihrer Verfügung abzurücken, und bleibe bei den vorgesehenen Sätzen.

Daraufhin schloß Jagenberg am 3. August 1839 die Brücke, und der Fährkahn übernahm wieder den Verkehr von Ufer zu Ufer. Die Eigentümer hatte an der Brücke Sperren anbringen lassen. Diese wurden jedoch bei Nacht und Nebel von Passanten zerstört. Die Regierung beauftragte nun den Bürgermeister, neue Sperren von der Polizei anbringen zu lassen und diese überwachen zu lassen. Nachdem nun mit Gewalt versucht worden sei, die Brücke zu öffnen, sei es untunlich, nun nachzugeben in der Brückengeldfrage.

Auch Jagenberg selbst durfte die Brücke nicht passieren. Es könne ihm sogar aufgetragen werden, die Brücke wieder abzureißen, da er keine öffentliche Genehmigung zum Bau gehabt habe. Davon könne man dann absehen, wenn die Brücke zur kostenlosen Benutzung freigegeben werde.

Johann Ferdinand Wilhelm Jagenberg, der im öffentlichen Leben viele Ehrenämter bekleidete - u.a. war er Beigeordneter der Gemeinde Dorp, Kreistagsmitglied und Handelskammer-Präsident -, vermochte sich aber schließlich gegen die Widerstände durchzusetzen: Brückengeld mußten die Passanten noch bis in die dreißiger Jahres des 20ten Jahrhunderts bezahlen.

1941/42 ging die Brücke in den Besitz der Stadt Solingen über, die sich damit zur Unterhaltung verpflichtete. Gleichzeitig erlosch damit das Jagenbergsche Brückengeldrecht.

Auch heute noch wird der schmale Übergang, der im Herbst 1968 vollständig erneuert wurde, von den Füßgängern eifrig benutzt.


Im Juli 2004 vermeldet die Stadt Solingen auf ihrer Internetseite:

Sperrung der Wupperbrücke am Soterweg (Papiermühle)

Die Fußgängerbrücke über die Wupper an der ehemaligen Papiermühle muss bis auf weiteres gesperrt werden.

Eine an der Brücke durchgeführte Hauptprüfung nach DIN 1076 hat erhebliche Mängel ergeben, so dass die Standsicherheit und die Verkehrssicherheit des Bauwerks durch Schäden am Widerlager, am Überbau und an den Geländern nur noch bedingt gewährleistet ist.

Steg über die Wupper vom linken Ufer aus gesehen (1969)

Nach einer ST-Meldung vom 19. März 2005 soll die Sanierung der Fußgängerbrücke rund 80.000 Euro kosten; ein Abriss und Neubau nur 10.000 Euro mehr. Doch wann neu gebaut wird, steht in den Sternen: Es ist kein Geld da.

Steg über die Wupper im Mai 2007, vom rechten Ufer aus gesehen

Tut sich was? Am 26.11.2007 notiert das Solinger Tageblatt:
200 000 Euro sind im Haushalt 2008 für die Restaurierung der Wupper-Brücke an der Papiermühle etatisiert. Vorausgesetzt, dieser Haushaltsposten wird am 13. Dezember vom Rat so beschlossen. Mit dieser Auskunft beantwortete die Stadt die Anfrage der Grünen-Politikerin Julia Freiwald.

rp-online ergänzt diese Meldung mit der Aussage: Die Brücke befindet sich ab Januar nächsten Jahres im Eigentum des Stadtdienstes Natur und Umwelt.

Wuppersteg
Solinger Zugang zum Steg über die Wupper im Februar 2009

Nach Angaben von rp-online (24.06.2008) gilt für das Brückenbauwerk:
Die alte Fußgängerbrücke am Soterweg im Bereich der Papiermühle, eine Stahl-Holz-Konstruktion, wurde wegen bautechnischer Mängel gesperrt. Sie muss komplett erneuert werden. Die Brücke wurde 1974 gebaut, ist 33,5 Meter lang und 1,5 Meter breit.

Stand der Dinge im August 2009

Ich habe schon lange nichts mehr in der Presse von dieser Brücke gelesen. Die klamme Situation der Solinger Haushaltskasse dürfte einer Erneuerung in den folgenden Jahren sehr im Wege stehen. Man muss schon froh sein, wenn die Zugangswege nicht entwidmet werden. Erschwerend kommt hinzu, dass unser über Jahre gewachsene Gesetzes-Dschungel und die daraus abgeleiteten Verordnungen samt der Rund-um-Sorglos-Mentalität unserer Bürger einer einfachen Lösung keinen Platz mehr bietet.

Stand der Dinge im Juli 2010

Am 22. Juli 2010 schreibt das Solinger Tageblatt:

Kein Neubau der Brücke Papiermühle

Verhandlungen zur Kostenteilung mit Wuppertal gescheitert.

Die Bauarbeiten an der Fußgängerbrücke Holunderweg haben begonnen [Der Abriss ist damit gemeint]. Aber wie schaut es mit der Brücke über die Wupper an der Papermühle aus? Ernst-Friedrich Honscheid vom Stadtdienst Natur und Umwelt erklärt, dass von städtischer Seite aus keine Maßnahmen bezüglich der Brücke mehr angedacht seien. „Wir haben mit der Stadt Wuppertal über eine 50-prozentige Kostenübernahme für den Neubau der Brücke verhandelt. Diese Verhandlungen sind gescheitert.“ Man rechne mit Kosten in Höhe von rund 200 000 Euro für einen Neubau, die für die Stadt Solingen allein nicht zu stemmen seien. „Außerdem ist die Stadt nicht Eigentümerin der Brücke“, betont Honscheid. „Der Solinger Teil gehört dem Eigentümer der Papiermühle.“ [Der Eigentümer dürfte Herr Lapawa bzw. einer seiner Firmen sein. ] Der Wuppertaler Teil stehe im Besitz der Bundesverwaltung, da sich das Widerlager auf der anderen Wupperseite an einer Landstraße befindet. Dennoch habe die Stadt Interesse daran gehabt, die Brücke neu zu errichten. „Es handelt sich um einen wichtigen Wanderweg. Nicht an vielen Stellen kann man entlang der Wanderwege die Wupper überqueren.“

Soweit die Ausführungen in unserer gedruckten Intelligenz. Mein Frage: Wieso ist jetzt die Stadt Solingen nicht mehr Eigentümerin der Brücke? In den letzten Jahren seit der Brückensperrung wurde dies nie thematisiert und Weber schreibt oben, dass 1941/42 die Brücke in den Besitz der Stadt Solingen über ging. Bemerkenswert auch die Kostensteigerung: Von 90.000 auf 200.000 Euro für einen Neubau.

Stand der Dinge im Januar 2012

Am 28.01.2012 gibt es eine kleine Notiz bei rp-online mit der Überschrift

Brücke Papiermühle bleibt weiter gesperrt

In dem Artikel heißt es: Abbruch und Neubau der Brücke auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Jagenberg scheiterten bislang, Verhandlungen mit der Stadt Wuppertal, sich an den Kosten (rund 230 000 Euro) zu beteiligen, ebenfalls. Nun überlegt der neue Eigentümer der Gewerbefläche, den Bebauungsplan von Gewerbe in Richtung Wohnen verändern zu lassen. Erste Gespräche dazu hätten bereits stattgefunden, berichtet die Verwaltung. Im Zuge dieses Verfahrens solle auf jeden Fall der Bau einer Brückenverbindung wieder aufgegriffen werden.

Wer mag der neue Eigentümer sein? Hat die 1999 gegründete SILAG Prozeßwassertechnologie GmbH die Gewerbefläche wieder veräußert? Die Kosten haben sich erneut erhöht.

Literatur und Quellen:
© 2005–2012 Michael Tettinger, Mi. 24.08.2005 – Sa. 28.01.2012